Franz Bühler (1864 – 1940): Selbstbild und Selbstdarstellung in der Psychiatrie um 1919
Der Kunstschmied Franz Karl Bühler (Offenburg 1864–1940 Tötungsanstalt Grafeneck) gewann 1893 auf der Weltausstellung in Chicago eine Goldmedaille für ein geschmiedetes Tor (heute im Schlossgarten Karlsruhe). Im selben Jahr wurde er als Lehrer für sein Fach an der Kunstgewerbeschule in Straßburg angestellt, verlor diese Stelle aber nach drei Jahren wieder. Wegen Verfolgungsideen kam er ab 1898 in verschiedene psychiatrische Anstalten, bis er 1900 auf Dauer in die Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen aufgenommen wurde. Von hier brachte man ihn 1940 in die Tötungsanstalt Grafeneck, wo er ihm Rahmen des so genannten „Euthanasie“-Programms ermordet wurde.
Als „Irrer“ aus der Gesellschaft entfernt zu werden, bedeutete in der Zeit der Verwahranstalten eine empfindliche Kränkung, insbesondere für Männer, die damit in ihrer gesellschaftlichen Rolle als handelndes Subjekt versagt zu haben schienen. Ihre schriftlichen Äußerungen und Zeichnungen dienen oftmals dem Versuch, Wissen, Intelligenz und gesellschaftliche Nützlichkeit des eigenen Denkens und Handelns nachzuweisen. Bühler wählte einen eigenen Weg der Kompensation, indem er sich zum Inspektor der Anstalten erklärte, in denen er untergebracht war. Auch in vielen seiner Zeichnungen dokumentierte er, was um ihn herum vorging.
Andere seiner Arbeiten auf Papier sind sicherlich als Bilder im Sinne einer gestalterischen Auseinandersetzung mit seinen Erfahrungen und Fantasien gemeint. Welches Publikum er dabei im Sinn hatte, ist allerdings unklar. Ausstellungsmöglichkeiten außerhalb der Anstalt gab es für ihn nicht.
Die große farbige Selbstdarstellung zeigt ihn ein längliches Objekt an seinen Mund halten, das sowohl an eine Rübe oder eine Flöte als auch an einen Penis erinnert. Auffällig ist die umständliche Haltung seiner Hände, die zu verraten scheint, dass er mit dem Objekt nicht umzugehen weiß. Bühler spielte selbst Flöte und zeigt auf einer Zeichnung, dass er sich mit dem Greifen dieses Instruments aukennt. Geht es in die Blatt vielleicht um eine ambivalente Haltung Bühlers zu homosexuellem Begehren? Oder möchte er auf symbolische Weise darstellen, dass er in seiner gesellschaftlichen Rolle versagt hat, in dem er demonstriert, dass er mit dem Phallus, dem Zeichen männlicher Handlungsmacht, nicht umgehen kann?
