Heute geöffnet
Uhr
Heute im mpk
Für heute sind keine Veranstaltungen geplant.

ohne Titel (Großer Spiegel Cage)
Spiegel ab 1924, Bemalung
um 1940 | Pinienholz, Glas, roter Lack | © Galerie Jacques De Vos, Paris

Ein großer Spiegel in einem breiten, schlichten Holzrahmen, bis auf die unauffällige, rote Fassung an der Innenseite ohne eigenen dekorativen oder künstlerischen Gehalt. Hinter Glas eine dunkle, bräunliche Bemalung aus feineren Geraden sowie breiteren geschwungenen Linien und Tupfern. Besonders bei diesem der ausgestellten Objekte wird deutlich, dass sich Eileen Gray nicht nur als Möbeldesignerin und Architektin, sondern auch als Künstlerin verstand.

Seitdem es Spiegel gibt, werden ihnen in der Kunst vielfältigste Symboliken zugeschrieben. Diese gehen überwiegend direkt auf die eigentliche Funktion eines Spiegels – die Selbstbetrachtung – zurück. Gleichsam, durch die seitenverkehrte Wiedergabe den Eindruck eines äußeren Blickes erweckend, sieht und überprüft der Mensch sein Handeln und Wesen. Zudem ist durch seitliche Blicke eine Erweiterung des eigenen Sehfeldes in die Umwelt hinaus möglich. Der Spiegel ist also das ideale Objekt für Gray, um ihr Verständnis von Räumgefühl, Funktionalität und Individualität auszudrücken.

Grays Spiegel spielt mit dieser üblichen Funktion und Sichtweise. Die gitterartigen Linien, die – wie der englische Titel Cage, Käfig nahelegt – ein Gefängnis andeuten, stehen der Veräußerlichung und Weitung des eigenen Blickes im Wege, verweisen vielleicht auf das materielle, körperliche Gefängnis des eigenen Geistes. Ganz und gar rätselhaft ist das dunkelbraune Zeichen über der Bildfläche. Wie ein japanisches Schriftzeichen anmutend, geht es vielleicht auf Grays langjährige Beschäftigung mit der Japanischen Kunst zurück. Auch ein Aufgriff von Urformen ist denkbar, wie er etwa im Informel der folgenden Jahre praktiziert werden wird.

Die Datierung des Spiegels ist nicht gesichert. Die Begrenzung des Entstehungszeitraumes auf das Jahr 1940 rührt von einer Zeichnung (Gouache) her, die um dieses Jahr datiert wird. Diese hat die Anmutung eines Abklatsches der Malerei auf dem Spiegel, ist mit ihr aber nicht deckungsgleich. In der Literatur besteht zudem Uneinigkeit über die Ausrichtung beider Objekte.