De Stijl Table
Nachbau, Rebecca Mayer, fatuk/RPTU
Im Rahmen des Seminars „Gray“ habe ich mich intensiv mit dem geometrischen Beistelltisch „De Stijl Table“ von Eileen Gray auseinandergesetzt. Dieses Werk entstand 1922, welches anlässlich der Ausstellung für französische Kunst in Amsterdam angefertigt wurde. Der mit Satinlack in Schwarz und Weiß lackierter Tisch aus MDF und Holz ist multifunktional nutzbar. Inspiriert von dem Stil „De Stijl“ stellt das Werk eine Zusammenstellung aus waagrechten und senkrechten Elementen dar, die verstärkt wird durch das gezielte Einsetzen der Kontrastfarben Schwarz und Weiß. Durch die klare Geometrie und die Reduktion auf elementare Formen, wirkt das Möbelstück je nach Ausrichtung unterschiedlich, wodurch Spannung erzeugt wird. Der Tisch dient als fl exibles Möbelstück, etwa als Beistell- oder Teetisch und zeigt exemplarisch Grays Fähigkeit, Funktionalität mit räumlicher Komposition zu verbinden. Bis zu ihrem Tod stand der Tisch in ihrem Wohnzimmer und zählte zu ihren Lieblingsstücken. Der „De Stijl Table“ markiert eine spannende Phase des Übergangs. Das Möbelstück verbindet eine klare, funktionale Haltung mit einer künstlerischexpressiven Formensprache.
Im praktischen Teil des Seminars habe ich mich mit der genauen Analyse der Konstruktion beschäftigt und den Tisch auf dieser Grundlage rekonstruiert. Die Konstruktion besteht aus einzelnen Elementen, die präzise aus Multiplexplatten ausgeschnitten und anschließend mittels Dübelverbindungen zusammengefügt wurden. Die Maße orientieren sich dabei an dem Original. Der Herstellungsprozess – von der detaillierten Analyse über die konstruktive Planung bis hin zur materiellen Umsetzung war für mich besonders lehrreich. Neben dem Zuschneiden der Holzplatten und der Verleimung der Elemente spielt auch die Oberfl ächenbearbeitung eine wichtige Rolle, da die Lackierung wesentlich zur gestalterischen Wirkung beiträgt. Alle Teile wurden sorgfältig geschliffen, anschließend mehrfach in Schwarz und Weiß lackiert und jeweils ausreichend getrocknet.
Eine zentrale Herausforderung bestand darin, trotz der scheinbar leichten und versetzten Anordnung der Elemente eine ausreichende Standfestigkeit zu gewährleisten. Die Verdübelungen mussten entsprechend präzise gesetzt werden, damit sich die einzelnen Elemente dauerhaft und stabil miteinander verbinden.
Durch diesen Arbeitsprozess habe ich einen neuen Blick auf das Handwerk und die konstruktiven Details eines Möbelstücks gewonnen. Mir wurde bewusst, wie viel Wissen, gestalterische Überlegung und funktionale Präzision an einem scheinbar einfachen Tisch stecken. Eine wesentliche zusätzliche Erkenntnis bestand im Verständnis des Tisches als räumliches System: Er ist nicht nur ein funktionales Möbelstück, sondern auch eine dreidimensionale Komposition, die mit Balance, Spannung und Asymmetrie arbeitet. Dadurch wurde deutlich, dass Konstruktion hier nicht nur technische Notwendigkeit, sondern ein integraler Bestandteil der gestalterischen Aussage ist. Darüber hinaus zeigte die praktische Umsetzung, dass die scheinbare Einfachheit des Entwurfs auf einer hohen konzeptionellen Komplexität beruht. Die Reduktion auf wenige Elemente erfordert umso präzisere Entscheidungen in Bezug auf Proportion, Verbindung und Materialität.
Rückblickend war die Auseinandersetzung mit dem „De Stijl Table“ nicht nur eine formale Analyse eines ikonischen Entwurfs, sondern auch eine intensive Untersuchung des Zusammenspiels von Theorie und Praxis. Sie verdeutlichte, dass gestalterische Klarheit das Ergebnis eines hochpräzisen und refl ektierten Entwurfsprozesses ist, in dem Konstruktion, Funktion und Ästhetik untrennbar miteinander verbunden sind.
