Marinettis futuristisches Manifest

25.01.2018 | 07:32

Marinettis futuristisches Manifest, 1909

„Wir stehen auf dem äußersten Vorgebirge der Jahrhunderte! ... Warum sollten wir zurückblicken, wenn wir die geheimnisvollen Tore des Unmöglichen aufbrechen wollen? Zeit und Raum sind gestern gestorben. Wir leben bereits im Absoluten, denn wir haben schon die ewige, allgegenwärtige Geschwindigkeit erschaffen." Filippo Tommaso Marinetti: Manifest des Futurismus, 8. These, erschienen in: Le Figaro, Paris, 20. Februar 1909

Das futuristische Manifest zählt zu den einflussreichsten Pamphleten des 20. Jahrhunderts. Prominent auf der Titelseite der angesehenen Pariser Tageszeitung „Le Figaro" wurde es am 20. Februar 1909 in hoher Auflage verbreitet. Urheber war Filippo Tommaso Marinetti (1878 – 1947), ein junger bis dahin völlig unbekannter Künstler und Schriftsteller. Fasziniert von Maschinen, dem Rausch der Geschwindigkeit und einem hohen Tempo der Veränderungen war er von der Idee besessen mittels der Zerstörung des Alten eine neue Ordnung zu schaffen. Das Traktat umfasst 11 Thesen, mit denen Marinetti sich von allen Traditionen lossagte, um neuen technischen Formen Bahn zu brechen. Künstler wie Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Luigi Russolo, Giacomo Balla und Gino Serverini schlossen sich seinen futuristischen Idealen an. Bald gründeten sich auch eigene Schulen des Futurismus, in denen neben Jugend und Geschwindigkeit auch Gewalt und Krieg verherrlicht wurden. Und heute? Über 100 Jahre später erfahren wir mittels der IT-Technologie einen enormen kulturellen Wandel, der von künstlerischen Prozessen bis hin zum sozialen Miteinander unsere Gesellschaft in ihrer Breite erfasst: Ist es denkbar, das Marinettis exaltierte Forderungen heute ihre späte Umsetzung erfahren?

 

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