Koffertruhe

27.10.2017 | 08:36

Koffertruhe, mpk, Kunsthandwerkliche Sammlung

Truhen dienen bereits seit dem Altertum als Behälter für persönlichen Besitz und Wertgegenstände. Entweder als Schrank, als transportables Behältnis oder auch in der Doppelfunktion als Sitzmöbel genutzt, entwickelte sich aus der Truhe im 19. Jahrhundert der Vorläufer unseres modernen Reisekoffers. Die Koffertruhe aus dem Bestand des mpk stammt aus dem 17./18. Jahrhundert und weist neben der Möglichkeit des Verschließens auch zwei Henkel zum Transport auf. Ihre Größe lässt genug Stauraum für Kleidung und Kostbarkeiten. Einer der eisernen Beschläge läuft in Form einer Lilienblüte aus, ein Symbol für die Jungfräulichkeit Marias. Es wurde als zusätzlicher Schutz verstanden. Die Erinnerung an göttliche Macht und mögliche Strafe sollte einen Dieb davon abschrecken, die Truhe zu plündern. Ausgehend von dieser Art Truhe, entwickelten sich vom 19. Jahrhundert an weitere Gepäckstücke, die noch stärker auf das Reisen ausgerichtet waren. Dazu zählen zum Beispiel Überseekoffer von Auswanderern, deren Material einer besonders langen Reise standhalten musste. Schließlich trat im 20. Jahrhundert der moderne Reisekoffer auf den Plan, der individuelle Bedürfnisse spiegelt und auch eine gewisse Selbstdarstellung ermöglicht. Sein Design und besonders sein Inhalt geben Auskunft über seinen Besitzer. Über Geschlecht, Modegeschmack, Lebensstil, finanziellen Stand bis hin zu Hobbys liefern moderne Analysen auch Aufschluss über den Charakter des Eigentümers. Heute wie in früherer Zeit achten wir darauf, unser Gepäck vor Diebstahl zu schützen. Dabei hat sich die Bemessung des Werts im Zuge industrieller und kostengünstiger Produktion deutlich geändert. Würde uns Kleidung gestohlen, wäre das im schlimmsten Falle ärgerlich, aber nicht von existenzieller Bedeutung. Die Bedeutung einer Koffertruhe lag hingegen im Schutz des gesamten persönlichen Besitzes, der sprichwörtlichen Existenz.

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