Digitale Portraits

02.12.2017 | 09:26

Karin Sander, Figur Rudolf Bernert, 1998, mpk, Skulpturensammlung. Foto mpk © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

Digitale Portraits
Beinah lebensecht erscheint diese kleine Männerfigur trotz ihrer merkwürdigen Schichtungen. Die international anerkannte Berliner Künstlerin Karin Sander hat schon 1998 hochmoderne, in der Textilindustrie verwendete Computertechnologie eingesetzt. Anhand dieses und zahlreicher vergleichbarer Portraits verfolgt sie jenseits der Darstellung einer bestimmten Person die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine. Letztere bildet die Grundlage für die genaue Umsetzung der Figur: In einem Bodyscanner mit Laserkameras exakt vermessen, auf ein Verhältnis 1:10 umgerechnet und im 3D Drucker aus vielen, feinen Schichten als Kunststoffkörper wieder aufgebaut, erscheint eine Miniaturausgabe des jeweiligen Menschen. Eine Airbrush-Bemalung verleiht der sonst weißen Figur ihre Lebendigkeit. Es gibt keinen Künstler mehr, der von Angesicht zu Angesicht, sein Modell interpretiert. Ersetzt exakte Messtechnik den subjektiven Blick, maximale Nachprüfbarkeit die Darstellung der Seele? Nun, im Ergebnis entfaltet die Figur ein erstaunliches Eigenleben. Doch ist es allein das menschliche Auge, welches sofort kleine Gesten und individuelle Besonderheiten zu einem Menschen mit Leib und Seele imaginiert.

Karin Sander, Figur Rudolf Bernert, 1998, mpk, Skulpturensammlung. Foto mpk © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

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