Die Kunsthandwerkliche Sammlung

Nicolaus Gerhaert van Leyden,  (um 1420/1430 – 1473), Trauernder Engel 1462, Nussbaum, geschnitzt, gefasst, vergoldet, Inv.-Nr. K 1497
Nicolaus Gerhaert van Leyden, (um 1420/1430 – 1473)
Trauernder Engel, 1462, Nussbaum, geschnitzt, gefasst, vergoldet, Inv.-Nr. K 1497
Pferdekopf, China, Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), dunkelgrauer Ton aus der Hohlform gepresst, Inv.-Nr. K 714
Pferdekopf, China, Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), dunkelgrauer Ton aus der Hohlform gepresst, Inv.-Nr. K 714
Trichterpokal, Glashütte des Wolfgang Vitl, Hall (Tirol), 1534/1540, leicht rauchfarbenes Glas, kalt aufgemalte Lackfarben und Vergoldungen, Inv.-Nr. K 490
Trichterpokal, Glashütte des Wolfgang Vitl, Hall (Tirol), 1534/1540, leicht rauchfarbenes Glas, kalt aufgemalte Lackfarben und Vergoldungen, Inv.-Nr. K 490
Hans Kellner (Meister 1582, gest. 1609),  Jungfrauenbecher, Nürnberg, 1593/1602, Silber, gegossen, getrieben, ziseliert, punziert, vergoldet, kalt bemalt, Inv.-Nr. K 1291
Hans Kellner (Meister 1582, gest. 1609), Jungfrauenbecher, Nürnberg, 1593/1602, Silber, gegossen, getrieben, ziseliert, punziert, vergoldet, kalt bemalt, Inv.-Nr. K 1291

Als sei der Pferdekopf aus der chinesischen Han-Dynastie von den Gedanken moderner Abstraktion getragen, zeigt das über 1800 Jahre alte Stück das Wesentliche eines Pferdes. Die kraftvollen und eleganten Tiere fungierten unter den Grabbeigen als Staussymbole von Adel und Militär.

Unglaublich mit welcher Akribie und künstlerischen Raffinesse die Assistenzfigur eines Hochaltars ausgearbeitet wurde: Der „Trauernde Engel“ von Nicolas Gerhart van Leyden, ursprünglich in 4 m Höhe rechts neben dem Kruzifix des Hochaltars von St. Georg in Nördlingen angebracht, war dort eher marginal zu sehen. Und dennoch ist er auf das feinste ausgearbeitet – ein eindrückliches Beispiel tiefer Frömmigkeit. Von einer großen Erschütterung körperlich gezeichnet zeigt sich ein Engel, der von der Erkenntnis des Todes Jesus Christus augenblicklich ergriffen wird und den seelischen Schmerz körperlich sichtbar macht. Sein feiner gefiederter Körper windet sich und macht in Verbindung mit dem traurigen Gesicht individuelle Trauer ansichtig – Schnitzkunst von höchstem Niveau.

Der Trichterpokal aus der Glashütte des Wolfgang Vitl in Hall (Tirol) gehört zu den seltenen dünnwandigen und farblosen Gläser im 16. Jahrhundert. Auch dieses Glas stammt aus einem kirchlichen Kontext, doch drückt sich mit ihm als begehrtem Luxusartikel weit mehr weltliches Besitzverhalten aus. Das Wappen lässt erkennen, es gehörte zum Besitz von Mathäus Lang (1468 – 1540), der von 1519 an Kardinal und Erzbischof von Salzburg und bekannt für seine Vorliebe zu Prunk und Pracht war.

Weltweit gibt es lediglich 20 Stücke des Goldschmiedemeisters Hans Kellner aus Nürnberg. Eine dieser handwerklichen Raritäten ist im mpk zu sehen. Aus dem Brautbecher galt es als frisch vermähltes Paar zu trinken ohne einen Tropfen zu verlieren. Nicht ganz einfach den beiden Gefäßen, dem weitschweifigen Rock und dem drehbaren Becher, den guten Wein ohne Verlust zu entlocken. Gelang es nicht, so warteten kleine, aber gemeine Aufgaben auf ihre Lösung.

Das mpk hat heute eine Sammlung von ca. 3000 Objekten, von denen nur ein kleiner, aber sehr feiner Teil zu sehen ist. Möbel, Glas, Fayencen gehören dazu. Mit allen Stücken verbindet sich eine lustvolle Reise in die Handwerkskunst der Vergangenheit, die immer wieder lohnt. Ihren aktuellen Bezug erhalten sie durch eine kleine Ausstellungsreihe, in der zeitgenössische Künstler eingeladen sind, mit der Sammlung zu arbeiten. Eigens als Reaktion auf unsere Objekte der angewandten Kunst, entstehen neue Werke der bildenden Kunst. Ein spannender Dialog der zum Überdenken und zum Schärfen unseres Kulturverständnisses anregen soll und fast nebenbei eine neue Sicht auf beide Bereiche des kunstvollen Schaffens eröffnet.

Svenja Kriebel

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